Dein gestern was somebody’s tomorrow | Karolin Kirchgaesser

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Dieser Satz kam mir in den Sinn, als ich über das PuG-Thema sinnierte. Abgesehen von seiner bestechenden Logik wusste ich allerdings selbst nicht so richtig viel damit anzufangen. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass der Satz deeper ist, als ich’s selbst checke. Ist natürlich die Frage ob man überhaupt Sachen, die man selbst denkt, gleichzeitig selbst nicht verstehen kann. Naja. Jedenfalls habe ich dann mal „gestern” mit „morgen” ausgetauscht und heraus kam: Dein tomorrow was somebody’s gestern. Das grenzt natürlich an einen Mindfuck à la „zurück in die Zukunft” und obwohl ich den Film nie gesehen habe, bereitet mir dieser Titel jedes Mal Kopfschmerzen. Vielleicht würde es helfen, den Film endlich mal zu gucken, but I’ll leave that for tomorrow. Nachdem ich mich also von diesem einfachen gestern-tomorrow Worttausch schnell abgewendet habe, kam die wirklich abgefahrene Denkoperation: Tempuswechsel! Dein tomorrow will be somebody’s gestern. Mein klimakampf- und krisenkonditioniertes Hirn hat diesmal offenbar nicht nur die Logik, sondern auch den Inhalt dieses Satzes direkt erkannt, denn sofort dachte ich: Hoffentlich! und dann: wahrscheinlich eher nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir so weiter machen wie bisher. „Wir müssen dafür sorgen, dass die zukünftigen Generationen auch ein gestern werden haben können” wollte ich eigentlich schreiben, aber dann war ich mir damit noch nicht mal bezüglich der Logik sicher. Beziehungsweise ob es nicht redundant ist, zukünftigen Generationen ein gestern zugestehen zu wollen, wenn ich eh schon eine Zukunft für sie fordere. Denn im Prinzip sind ja gestern und morgen das gleiche, nur zu einem anderen Zeitpunkt. Demnach wäre „Dein gestern was somebody’s tomorrow” = „Dein tomorrow will be somebody’s gestern”. Andererseits, wenn etwas nur unter einer gewissen Bedingung – anderer Zeitpunkt – das gleiche ist, ist‘s wahrscheinlich eher nicht das gleiche. Redundant dürfe jedenfalls die Message dieses Textes für die vornehmlich junge PuG-Leser:innenschaft sein, denn wenn jemand die Notwendigkeit einer radikalen Handlungswendung erkannt hat, sind es ja wohl diese jungen Leute von heute. Um den Text dennoch einigermaßen adressat:innengerecht zu machen, habe ich ein paar englische Worte eingebaut. Thx4reading.

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